Das Sterbewerk*_Episode 33 „Der Amtsschimmel von Leipzig“ 

Der #Tod ist gewiss, das amtliche Dokument dazu nicht unbedingt! In Leipzig sind Wartezeiten von 4 Wochen inzwischen Normalität geworden. Ein Umstand, der die Hinterbliebenen viel Nerven, Zeit und Geld kostet. #BILD #Leipzig und jetzt auch der #mdr haben uns dazu interviewt, weil wir der einzige Leipziger #Bestatter waren, der sich auf amtlichen Wege bis zum Rathaus beschwert hat. Für unsere Kunden. 

Wie geht es nun weiter? 

Handelt Leipzigs Amtsschimmel?Dann wäre der erste Schritt getan… 

http://www.mdr.de/nachrichten/vermischtes/video-115092.html
Quelle: mdr Aktuell, 18.06.2017, 21:45 Uhr, mdr Fernsehen

Das Sterbewerk*_Episode #32 „Er starb am Kreuz…“

“Aus dem Leben eines Taugewas –
Die un.heimlichen Geschichten des Gordon Blö”

… sagen die einen. Andere wiederum behaupten beim Leibe ihrer Mutter, dass Jesus klammheimlich ins ferne Kaschmir emigrierte, um dort kurz darauf in irgendeiner Himalaja-Stadt an Altersschwäche zu sterben. Wer auch immer der Wahrheit näher kommt, so hundertprozentig steht überhaupt nicht fest, dass es Jesus im biblischen Sinne wirklich gegeben hat und ob er nicht vielleicht nur als ein am Kreuz Sterbender und eine Woche darauf Wiederauferstehender eine missionierende Rolle zu übernehmen hat. Jesus, der erste Alibi-Christ?
Die Frechesten behaupten ja ohnehin, dass Jesus viel lieber ’ne Runde Schwimmen gegangen wäre, wenn er es nicht so mit dem Kreuz gehabt hätte!
Ins Geschichtsbild passt da schon eher, dass sich wohl einer der Jünger geopfert hatte und der in Wirklichkeit feige Jesus davonpilgerte.. Jesus, der Lehrer der Gerechtigkeit. Am Kreuz wird er wohl gestorben sein, Frage ist nur, an welchem, möglicherweise am eigenen.

Warum fällt mir diese biblische Geschichte gerade heute und gerade jetzt ein?
Naja, das Wetter am heutigen Pfingstsonnabend war hierzulande ganz ordentlich, nicht zu warm, nicht zu windig, es lud zu einem Stadtrundgang ein, klar, eher eine Stadtrundfahrt im medizinisch korrekten rollenden Stuhl. Opi vorn, ich hinten, ziemlich beste Freunde. Wie meint der alte Herr immer, „Schwarze Guggen“, was wohl der sächsische Ausdruck für „das Wave Gotik-Treffen mit den Augen begleiten“ bedeutet. Danach noch eine kurze Stippvisite im Capa-Haus, Erdbeertorte, Schlagsahne aus dem Automaten und e Tässchen Heeßen genau dort, wo vor ziemlich genau siebzig Jahren Robert Capa den „Last man to die“ auf Zelluloid bannte. Ist auch geschichtsträchtig. Und wahrheitsgesichert.
Wir sitzen dort auf der klassisch mit Holz und Glas überdachten Veranda unmittelbar entlang der Bowmanstraße. Keine 30 Meter hinter der Abbiegung von der Jahnallee, früheren Frankfurter Straße. Ein silberfarbener Blechvierbeiner mit Ford-Emblem bleibt unsicher umherschauend mitten in der rechten Fahrspur stehen, studiert den Leipziger Stadtplan, verwechselt Nord mit Süd, braucht länger. Es kam wie es kommen musste, hinter ihm Stau, weil das Reißverschlusseinfädeln nicht unbedingt Sache der Ossis ist, Stau also bis in den Kurvenbereich und – Peng Krach Bumm Au – ein schwarzer Stern rammt eine ebenfalls nicht vorbeikommende Irgend-ein-Emblem-tragenden Blechkiste. Splittern tut aber nur Plastik. Just genau in diesem Moment verdrückt sich der im-Weg-stehende Ford und fährt klammheimlich fort. Besser is.
Sollen die beiden das unter sich ausmachen, wir haben Gegenwart, nicht biblische Vergangenheit, jeder ist sich selbst der Nächste, jeder opfere sich selbst.

Bis die Apostelgeschichte 24:15 wahr wird und die gesamte Erde in ein buchstäbliches Paradies verwandelt ist, dauert es demnach noch. Nichts von beginnender Transformation, nichts mit dem Maya-Kalender und seiner Prophezeiung. Nicht einmal auf die Erderwärmung ist wirklich Verlass.
„Der Tod wird nicht mehr sein, noch wird Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein.“ aus der Offenbarung 21:4 – Gott bewahre. Ich hätte nichts mehr zu tun, wäre arbeitslos. Lieber Gott im Himmel oder Jesus im Himalaja, wartet noch fünf Jahre, bitte.

Ach ja, Gott ist alt und Jesus starb am Kreuz.
Glück gehabt.

©Casus. 2016

Das Sterbewerk*_Episode #31 „Immer weiter…““

“Aus dem Leben eines Taugewas –
Die un.heimlichen Geschichten des Gordon Blö”

Da hat sich doch tatsächlich eine – wenn auch klitzekleine – kreative Pause eingeschlichen, eine von gefühlten 12 oder 24 Monaten. In Wirklichkeit muss es gestern gewesen sein, als die letzten Sätze zu Papier bzw. Anschläge auf den lichtgedämpften Bildschirm gehämmert wurden.

Hat sich aber auch ’ne ganze Menge geändert in dieser Zeit. Das Auto auf dem Hof ist ein Stückchen gewachsen und trägt einen anderen „Stern“, und – es gehört nicht mehr mir. Ich fahre es „nur“. Auch meine Post wird an eine andere, eine frühere Adresse geliefert. Unverändert ist jedoch die Musik, die aus den Lautsprechern um mich herum schallt, jetzt gerade die japanische Ausgabe Dylans neuer Maxi „Melanchooly Mood“. Genau so fühle ich mich auch.

Mein von den Kollegen etwas abgesetzes Büro im Leipziger Westen hat frische Farbe bekommen, auch die Risse in den Wänden wurden damit kaschiert. Auf den in die Jahrzehnte gekommenen Teppichbelag hat Sveni Laminat verlegt. Seit dieser Zeit kriege ich andauernd eine gewischt, egal was ich anfasse. Kann man Pressholz erden?

Demnächst werde ich einundsechszig. Eine Zahl, die man nur in Buchstaben schreiben und sprechen kann, dann fällt es nicht so auf. Aber ja doch, die coolen Sprüche kenne ich auch – Jeder fühlt sich so, wie er alt ist! oder so ähnlich.
Seit Bob der Musikmeister im Gewandhaus auf dünnsten Stelzen hin und her schwankte und in einem fort den „Dylan“ machte, sage ich mir, da ist noch etwas Luft.

„Alles oder überhaupt nichts“ („All or nothing at all“) – der Kerl weiß schon, wovon er singt.

Wer also dieses ominöse einundsechszig mit mir gemeinsam feiern, nein, eher begehen möchte, der kommt am Sonnabend, den 9. Juli und 18:10 (also 6 Uhr 1) bis 1:06 (also 1 Uhr 6) an das Ufer des Elsterflutbeckens im Palmengarten unterhalb der Zeppelinbrücke. Da sitzen wir gemütlich an einem herrlich warmen und gemütlichen Mittsommerabend im Grünen, Grillen und Trinken was und hören die Musik aus den Röhren von Linie 7ieben. Oder machen noch ganz andere Dinge.

Kommt, oder kommt nicht. Kommt. Anmeldungen nehme ich keine an, ebenso wenig wie Geschenke jedweder Art.Ist niemand da, der was tragen kann 🙂

Und das Aller-Neuste.
Ich schreibe ab sofort wieder – wenn mir was beifällt!

(c)Casus. 2016

Der alte Sack – Bob Dylan im Gewandhaus zu Leipzig

Da hat er es tatsächlich noch einmal überstanden. Dylan bleibt sich auch in Leipzig treu und die mit ihm gealterten Bobcats reißt es nur hier und da und ganz am Ende kurz aus den roten edelstoffgepolsterten Sesseln in der ersten Musikhalle der ehemaligen Messemetropole.

Ich bin mir sicher, His Bobness hat null Ahnung, in welcher Stadt er da heute Abend auftritt. Und dass er Leipzig nicht mit babschem B schreibt, liegt wohl eher am angelsächsisch geprägten harten P. Wie auch immer.
Für 200 Dollar pro Ticket kann man schon nach der Pause seinen Platz brav wieder einnehmen. Egal, was da vorn auf der Bühne gerade passiert.

Jahrzehnte auf seiner Never Ending Tour hat Herr Zimmermann Tag für Tag und Abend für Abend die Setlist seiner Auftritte am Ende gar nicht mehr überraschend durcheinandergewirbelt. Selbst sein Bass-Urgestein Tony Garnier verrutscht da mehrfach das Pokerface, wenn der Meister hinter dem neuerdings am rechten Bühnenrand gelangweilt rumstehenden, edlen Baby-Grand-Piano Töne anklimpert, die schon seit Menschengedenken nicht mehr in den Tour-Hallen ertönten. So wie er das alte Kirmes-Piano längst verschrottet hat, genau so greift Dylan nicht mehr zur Gitarre, es sei denn, er braucht Charlie Sextons E-Saiten zum Festhalten auf dem Weg zum Teebeutel. Oder was auch immer in der Flasche abgefüllt ist, die er im Schatten der Scheinwerfer da zwischen den Songs an die Lippen hält. Nach Apfelsaft sieht die Bühnenpräsenz jedenfalls nicht mehr aus.

Musikalisch also keine Überraschung in Leipzig. Wenn man kein Rock und Roll-Feuerwerk erwartet oder gar die groovenden Highlights der vergangenen L.E.-Konzerte. Wir hätten auch zu Frank Sinatra gehen können, doch der fand sein seliges Ende schon 1998 in L.A.
Dylan wird älter, welch großartige Feststellung, und er wird ruhiger. Mit meistens gelassener, besser vergnügter Innerlichkeit tänzelt er bereits beim Opener des Abends Things Have Changed und noch bevor er eine knappe halbe Stunde Ruhe braucht, huscht ein verstecktes und trotzdem so gut sichtbares Schmunzeln aus den tiefen Furchen des fast 75jährigen Wuschelkopfes, wenn er Trübsal immerzu anstimmt.

Tanzen wir noch eine Runde?

Setlist in Leipzig am 12. Oktober 2015

Things Have Changed
She Belongs to Me
Beyond Here Lies Nothin‘
The Night We Called It a Day (Frank Sinatra cover)
Duquesne Whistle
What’ll I Do (Irving Berlin cover)
Pay in Blood
I’m a Fool to Want You (Frank Sinatra cover)
Tangled Up in Blue

High Water (For Charley Patton)
Where Are You (Frank Sinatra cover)
Early Roman Kings
Why Try to Change Me Now (Cy Coleman cover)
Spirit on the Water
Scarlet Town
All or Nothing at All (Frank Sinatra cover)
Long and Wasted Years
Autumn Leaves (Yves Montand cover)

Blowin‘ in the Wind
Love Sick
(c)Casus. 2015

Sechszig und kein bischen älter!

Irgendwann im Leben hat der Mensch keine Wünsche mehr. Das ist der Moment, wo er anfängt zu träumen…
Ob ich diesen Zeitpunkt schon erreicht habe, wage ich zu bezweifeln, aber wer weiß? Gut möglich ist es schon.

Am 26. Juli 2015 ab 12 Uhr jedenfalls erfüllen wir uns noch einen lang gehegten Wunsch:
In der Konzerthalle an der Waldbaurstr. 2a  gibt es ein großes Rock- und Blueskonzert mit Wolfgang Becker und Chris Keisers von der Gruppe Schwarzbrenner. Der Eintritt ist frei! Kleines Catering inklusive.
Musik von direkt unter der Gänsehaut mit Texten aus tiefster menschlicher Seele.

Ihr seid herzlich eingeladen!
Wo: Bei Hoensch
Wann: Sonntag, 26. Juli 2015 ab 12 bis ca. 15 Uhr
Bei schönem Wetter Open Air. Anmeldungen sind vorteilhaft.

Rückfragen gern unter Casus, Tel. 0172.3576192

Link zur Band: http://www.beckerkeisers.de/songs/

Das Sterbewerk*_Episode #30 „Der polnische Riesling-Sarg“

“Aus dem Leben eines Taugewas – Die un.heimlichen Geschichten des Gordon Blö”

Der polnische Riesling-Sarg

Die Abendsonne lugt vorsichtig durch die spärliche Fensterdekoration in seinem Lieblingsrestaurant La Scola. Sonnabends ist italienischer Abend.
Dieter Hommel* sitzt in trauter Zweisamkeit und freut sich auf das Danach.
Carlo, der Hausherr, bedient ihn schon seit Jahren. Er weiß, wann er was und wie er es auftischen muss.
Dieter ist genügsam. Meist tut es ein einfacher, trockener italienischer Riesling. Auch, weil er den in seinem Haus- und Hof-ALDI für 2,99 Euro nachkaufen kann.
Den trinkt er dann allein zu Haus.

Bei Carlo ist alles anders.
Auf dem Tisch brennt eine Kerze, Besteck und Geschirr sind perfekt abgestimmt, leise Musik erfüllt den Raum und zu den dezent lugenden Sonnenstrahlen hat Carlo immer einen passenden Spruch auf den Lippen. Dieter liebt es, wenn die Teller in einen fremden Geschirrspüler wandern. Er denkt nicht darüber nach.

Die Rechnung ist schnell bezahlt; der Wein kostet 18,50 Euro. Trinkgeld gibt er reichlich.

Am nächsten Tag fällt das Frühstück aus. Niemand sitzt mit ihm bei Kaffee und Morgenzeitung.
Stattdessen der schon lange befürchtete Anruf. Mama ist eingeschlafen. Sie hat es geschafft und Dieter jetzt andere Sorgen.
Am frühen Abend bereits sitzt er beim freundlichen Bestatter von um die Ecke. Der hat alles vorbereitet. In knapp zwei Stunden sind die Formalitäten besprochen. Mama ist in guten Händen.
Es ist 20:30 Uhr.

Wieder zu Hause findet Dieter die so sehr benötigte Ruhe.
Er surft noch ein wenig im Netz. Was könnte man nicht alles, wenn man wollte.
Auf einer schlicht gestalteten polnischen Webseite kann man einfache Särge kaufen, aus rohem Holz. Ab Werk in Twardogora, für 85 Euro.
Dieter wird hellhörig. Der Bestatter hat 399 Euro in der Kostenaufstellung veranschlagt.
Nicht mit mir, denkt Dieter – und handelt.
*Name geändert.
©Casus. 2015

Schnarchgedichte #006

Immer zieht es ihn dorthin, wo er grad nicht ist.
Immer will er grad das, was er nicht hat.
Der Mensch.

Nachts um drei sind die Lichter ausgegangen.
Nachts um vier ist der Horizont erloschen.
Kalter Wind fegt um die Ohren.
Jeder Grashalm ist erfroren.

Sehnsucht nach Licht
habe ich nicht.
Denn ohne den kleinsten Groschen
bin ich in endlosen Träumen gefangen.

(c)Casus. 2015.