Der Politische Asche-Mittwoch, Folge 5 ‚Kulturzeit‘



Der politische Asche-Mittwoch lässt heute die stressgeprüfte Politseele baumeln, in Anbetracht der Berliner Machtspielchen und Postenschachereien, in Anbetracht des nun doch wahrscheinlichen Doktorverlustes der FDP-Mieze Koch-Mehrin, in Anbetracht, dass sich noch immer ein Großteil der sich äußernden Deutschen für ein politisches Comeback des Tricksers Guttenberg aussprechen, in Anbetracht, dass in Leipzig die Rathausspitze jetzt beschlossen hat, nun zügig die Straßenschäden auf ausgewählten potemkinschen Pisten ausbessern zu lassen (zügig heißt hier; Ausschreibungen im Juni, erster Spatenstich im August, Winterbeginn voraussichtlich im Oktober), in Anbetracht pakistanischer Schuldiger, die den Amis die Tür nicht freiwillig aufgeschlossen haben, in Anbetracht, dass WikiLeaks-Frontmann Julian Assange soeben mit der Goldmedaille für Frieden und Gerechtigkeit der Sydney Peace Foundation ausgezeichnet wurde, in Anbetracht des Todes eines der „letzten“ Playboys, in Anbetracht, dass die Sonne scheint und die Welt bald untergeht, widmet sich die allwöchentlich Kolumne heute einem Mann, einem Rockmusiker, einer Legende. Eric Burdon wird Siebzig und feiert im kleinen Familienkreis der ehemaligen und aktuellen Begleitmusiker eine Party-Night.
Martin Gerschwitz, unser Freund an den elektronischen Tasten und hier am mechanischen PC-Geklimper schrieb gestern: „I got an interesting invitation this morning, my wife and I got invited to attend Eric Burdon’s 70th birthday party tomorrow night – and guess what, we’re going !!! Should be fun – woohoo … and there’ll be a lot of things to talk about too, I’m sure – after all, we spent about 8 years together in „The Animals“, playing concerts all over the world, on 4 continents, and approx. in 35 or so different countries !!!“ Na dann, feiert mal schön.
In den Armenvierteln von Newcastle aufgewachsen, schrieb Burdon mit dem Organisten Alan Price jenen einzigartigen Song vom sehnsuchtsumwobenen Haus, dessen Legenden noch heute ungelöst durch musikbegeisterte Köpfe schwirren. Mit seiner rauen Stimme verdiente er viel Geld, vom vielen Geld kaufte er viel Alkohol, der viele Alkohol verlangte noch mehr LSD, und schon ist der immer wiederkehrende Zusammenhang von Bestehen und Vergehen hergestellt. Er löste die ‚Animals‘ auf, landete Dank Jerry Goldstein und Steve Gold bei den ‚Wars‘, spielte den unvergessenen Song ‚Spill The Wine‚ ein. Zwei Jahre ging das gut, dann legte er sich mit dem weißen Rassismus und dem Militär an , landete im Gefängnis und verfiel in tiefste Depression. Erst Udo Lindenberg holt ihn da wieder raus, Mitte der siebziger Jahre; er nimmt ihn mit auf Tournee und „mildert mit dem Geschick seiner souveränen Gelassenheit und Güte Burdons krasse Selbstzweifel“ (H.-D. Schütt).
Gerhard Gundermann verewigte in seinem Lebenslauf diese nette Story: 1971 bekam er seine erste Gitarre und übte wie verrückt den Animals-Song ‚House in New Orleans‘. Ein Jahr später schreibt er noch immer „Übung der Begleitung zu ‚House in New Orleans'“. Was macht Gundi eigentlich heute? Das kindlich-mühevolle Kopieren (s.o.) sollte einer routiniert-mühevollen Erwachsenen-Kreativität gewichen sein.
Genehmigen wir uns einen Kleinen, auf dich Eric und feiert schön im fernen Obamaland, die deutschen Fans schicken einen lieben Gruß über den Großen Teich. Martino: „Hey Van, this time it’s a private party, by invitation only – sorry !!! And Casus, I will tell him, no problemo !!!
(c)casus

Die Karikatur wurde mir freundlicherweise von Harm Bengen zur Verfügung gestellt.