»» Der Politische Asche-Mittwoch ««­ Folge 50 ‘Die 9ct-Katastrophe’

Es ist noch zeitig, sehr zeitig früh am Morgen. Doch die ersten sind bereits auf der Straße. Nicht auf dem Weg zur Arbeit, diese 50 oder 100 Kilometer legt man für gewöhnlich mit dem Auto zurück. Nein, sie sammeln Pfandflaschen, Cola-Dosen und Altpapier. Manchmal auch andere Dinge aus den seit letzter Nacht überquellenden Papierkörben.

Klaus und Maria kennt man in dieser Gegend.
Immer ein freundliches Wort auf den Lippen, jeden Tag das gleiche Leibchen umgeschürzt und nie die Haare gekämmt.

Wenn die Muttis gegen Sieben ihre Kinder zur nahegelegenen Kinderaufbewahrungsstation bringen, haben sich beide längst zurückgezogen, sortieren ihre Beute und lachen über die Müllabfuhr, die pünktlich zu Dienstbeginn halbleere Müllcontainer vorfindet.
Heute aber war es anders. Heute stritten Klaus und Maria um irgendeine Belanglosigkeit. Ich konnte ihnen nicht helfen. Ich hab es nicht versucht.
Klaus: „Gib‘ mir zwei von deinen Flaschen!“ – Maria: „Einverstanden, gegen eine Zigarette.“
Zehn Minuten später ist Ruhe eingekehrt.
Die Sonne erobert den Horizont, Wolken kommen erst später, der Alltag nimmt seinen Lauf.

Und doch ist heute kein Tag wie jeder andere. Schuld daran trägt die Morgenzeitung. Natürlich. Wer sonst?

(Zitat)
Altstoffhandel droht das Aus
…Vielen Kitas, Schulklassen, Vereinen, aber auch ganz normalen Einwohnern könnte bald eine beliebte Einnahmequelle abhandenkommen. Durch die Neufassung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes steht es den Kommunen ab 1. Juni 2012 frei, ob sie den Ankauf von Altpapier und Schrott auf ihrem Territorium weiterhin dulden oder nicht.“
(Zitatende)

Vorbei die Zeit der Altpapier-sammelnden-Bollerwagen-vorsichherschiebenden-Schulkinder, die früher 15 Pfennige für das gebündelte Papierkilo und heute zwischen 6 und 9 Cent erhielten und damit nicht nur das Taschengeld aufbesserten, sondern auch die müßig-dahinplätschernde Phantomdiskussion um Killerspiele ja oder nein nur mitleidig verfolgten. Für 9 Cent wirft man nicht einmal einen Blick auf das High-Tech-Score!

Was bleibt?
Für Klaus und Maria eine Hoffnung weniger.
Für die Anwohner fünf Minuten mehr Ruhe in der Herrgottsfrühe.
Für die Umwelt die nächste Katastrophe.

Es ist nicht mehr am ganz frühen Morgen.
Bis 5 vor 12 ist noch Zeit.
(c)casus. 2012
Foto: web/unbekannt, Montage: casus

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