»Der Politische Asche-Mittwoch«­ Folge 55 ‘Eine Gemüse-Kolumne; querbeet‘

Prof. Jürgen Kuczynski, ein deutscher Zivilisations-, Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaftler, hat es einmal auf den Punkt gebracht: „Die Menschheit entwickelt sich im Zick-Zack. Leider Gottes sind wir gerade im Zack.“ (sinngemäß)
So einfach und mit wenigen Worten erklärt er seinem Urenkel, was hochbegabte Atomphysiker im Cern gerade erst mit enormem Aufwand bestätigt haben; wie funktioniert die Welt und was hält sie in ihrem Innersten zusammen?
Freilich sehen das rund die Hälfte der deutschen Bundestagsabgeordneten etwas anders, denn sie gestalten diese im Zack befindliche Gesellschaft maßgeblich. Aber sie stehen fast allein mit ihrer Meinung. Nur etwa 1 Prozent folgt ihnen kritiklos, 99 Prozent der Bevölkerung haben Einwände, teils massive Einwände, teils gewalt/ige Einwände!

Da ist es durchaus nicht verwunderlich, wenn der Ton hier wie da rauher wird und ebenso hier wie da die verbalen Fetzen fliegen. Bisher sind wir das nur aus asiatischen und afrikanischen Parlamenten gewöhnt, schlagende und bald auch totschlagende Argumente. Doch die Wanderungsbewegung an die Fleischtöpfe der Gesellschaft sind allgegenwärtig. So kommt es nicht von ungefähr, wenn unsere oberste Gralshüterin von Sitte und Anstand, von FDJ-Bluse und Bundeshättesieverdienstkreuzverdient, wenn also Frau M. vor versammelter Abgeordnetenriege tönt: „Diese Art von Standhaftigkeit ist genau das nicht, was Deutschland nach vorne bringt.“ (Merkel zu „Abweichlern“ und „Hinterfragern“ von undurchsichtigen Gesetzesvorlagen im Bundestag).
Was sind es denn dann, wenn nicht Meinungsvielfalt und basisdemokratische Strukturen? Alle mir nach, wer nicht für mich ist, ist gegen mich! Das war einmal und ist bisher nicht wieder; so tief kann das Zack noch nicht sein. Trotzdem werden potentielle Chefpostenmitbewerber eins zwei fix verbannt; der Möglichkeiten dazu gibt es viele, bis hin zu SMS-verpackten Indiskredenzien!

Hier „unten“, an der parlamentarisch-kommunalen Basis kommt das gut an, so gut, wie es gemeint ist. Wenn der Für-Alle-Daseiende-Oberbürgermeister trocken feststellt: „Eine basisdemokratische Abstimmung habe in dem gewählten Jury-Verfahren keinen Platz (OBM Jung zur Abstimmung um das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal).
Na, sag ich doch! Gut gelernt, Löwe. Das dumme Volk hat eh keine Ahnung von erschütterungsfreiem Unter-der-Erde-Stadt-Tunnel, von Bilder(buch)museum, von Betonzoo und von Erlebnis-statt-pünktlicher-Zugfahr-Bahnhof. Da muss man es schon mal an die Hand nehmen – und schön fest zudrücken!

Was wir aber in der großen und kleinen Politik durchaus tolerieren, geht im Sport, sorri, im Fußball nun gar nicht. Wo soll das hinführen, wenn jeder FIFA-Hansel uns, die deutsche Überkickernation, der Schmiergeldpraktiken bezichtigt?
Wir wissen ja, dass es so war, ist und sein wird, aber das kann man doch nicht in die Öffentlichkeit und schon gar nicht so plump kolportieren, Herr Blattwerk!
Deutschland wird beschuldigt, die Fußball-WM 2006 gekauft zu haben.
So ein Unfug, wir benötigten die Spiele doch nur, um die Mehrwertsteuererhöhung nicht in die Abseitsfalle laufen zu lassen.
Wäre 2012 ja auch beinahe gut gegangen, aber die Zustimmung zu ESM- und Fiskalpakt ging dann doch in die Sommerloch-Verlängerung und das Meldegesetz wurde gleich komplett kassiert. (Blatter, Schäuble, Hans-Peter Uhl, Gisela Piltz und andere der übrigen 1 Prozent)
Nestbeschmutzer Blatter wird wohl jetzt von vor allem den deutschen Vertretern fertiggemacht werden; Aberkennung des Bundesverdienstkreuzes und Austragung aus dem Goldenen Buch der Hauptstadt inklusive. Solch ein Dreckspatz hat nichts neben dem tausendjährigen, österreichischen Einwanderer mit Migrationshintergrund zu suchen.
Vielleicht erledigt das ja der neuste Schweizer Silberling in BW von allein? Ach ja, beim Händler meines Vertrauens gibts die aktuelle Steuer-CD für 29,90 Euro, ein Schnäppchen geradezu!

Der kleine Berliner Klimagipfel kommt übrigens zu einem anderen Ergebnis; die selbst ernannten Experten gehen von einer globalen Erderwärmung von bis zu 4 Grad Celsius in den nächsten Jahren aus. Na, das sind doch eher gute Nachrichten; von wegen, das Klima wird rauher!
(c)casus. 2012
Fotos: wikipedia, (cc)Lizenz

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