Episode 7ieben – ‚Der mediterrane Tag Eins‘

„Aus dem Leben eines Taugewas –
Die un.heimlichen Geschichten des Gordon Blö“

Er bekommt nicht genug davon.
Die junge Frau windet sich und zappelt, dann erstickt sie.
Now it’s his turn! Befriedigt zieht er ihr die Plastiktüte vom Kopf, löst ihre Hände aus der gewaltsamen Fixierung. „Sado-Maso mit erzwungener Atemreduktion“. Perverser kann man es nicht ausdrücken.
Nein, ich bin nicht im wahren Leben. Ich mache Urlaub von den alltäglichen Grausamkeiten dieses menschengemachten Strebens nach mehr, noch mehr und noch viel mehr. Der Perverse gehört dazu. Die Frau ist nur eines von vielen Opfern. Das Schicksal lässt sich dadurch nicht leichter ertragen.

Mein Flieger kommt schon über eine halbe Stunde verspätet aus der Luft und fliegt eine weitere viertel Stunde noch verspäteter weiter. Weltstadt Leipzig im Flugdrehkreuz der Airlines. Welch‘ wohlkingende Versuchung.
77 Tonnen Abflugmasse wollen erst einmal ins Mediterranium geschubst werden! Immerhin müsste der Airbus vier mal auftanken, wenn er unseren Rundling am Äquator umkreisen wollte. Ganze fünf Tausend Kilometer hält er sich mit einer Tragflächenfüllung in der Luft.
Matheaufgabe: Wieviel Tonnen Antriebsflüssigkeit kann der A321 bunkern, wenn er 3,1 Liter pro Hundert-Passagier-Kilometer für die eigene Fortbewegung benötigt?

Der Umstieg auf den Inselhopser, immerhin eine Boing 737-800, gelingt dann mit rekordverdächtigen fünfundzwanzig Minuten Verspätung. Nur!

Es geht auch angenehm! Hier: Die Südspitze Menorcas.

Ein erster Blick auf das, was mich in den kommenden sieben Tagen erwartet, muss kurz vor Sonneneintitschen noch sein (Foto). Alfredos Rent-a-bike habe ich ebenfalls schon ausgekundschaftet, auch wenn der Insulaner längst bei Mutti am Tropf hängt. Hier jedenfalls wird mit dem Sonnenuntergang der letzte Bürgersteig hochgeklapppt. Morgen warten steinige Pfade entlang steiler Küsten. Nichts für Weicheier.

Die Zeitung vom Sonntag lege ich nun auch beiseite. Ich hab‘ wirklich genug von den Grausamkeiten, die Reporter ohne Grenzen von hinter den Grenzen vor der Grenze berichten. Diese Grenze ist jetzt überschritten!
Wie sagt die Cardinale im Lied vom Tod; „…hinterher geh‘ ich heiß duschen und vergesse den Kerl!“
In diesem Sinne. Morgen beginnt das Aktive am Urlaub im Mittelmeer.
Davon bekomme ich möglicherweise nicht genug.
(c)casus. 2012

Foto: casus