Das Sterbewerk*_Episode #002

Er hat sie alle gehabt.
Die 30 Kilo-Omi über die 5 Zentimeter-Hausschwelle und den 3 Zentner-Riesen im Überbreite-Holzkasten aus dem 8. Stock bei Stromausfall. Doch all das war bis letzte Nacht Schnee von gestern.
Punkt Mitternacht kam Bernds Anruf. Bernd ist unser Mann an der 24-Stunden-Hotline, bei den Kunden beliebt, bei uns mit einem Anerkennungsfaktor von Nullkomma, denn er ruft immer zur falschen Zeit an. Definitiv.
So auch dieses mal, es schneit seit Stunden, Fahrbahnen und Wege sind nur noch zu ahnen und die Satelliten geben die klare Anweisung „Sie befinden sich nicht auf einer zugelassenen Straße.“ Dabei hätte ich schwören können, dass die Stöße unter meinem Umbau-Daimler von den hiesigen, wintertypischen Schlaglöchern stammen. Ich verlasse mich auf meine Ortskenntnis und höre nicht auf Maschinen, die da oben kurz unterm Himmel hängen und alles besser wissen. Eine gute Entscheidung.

Smart-Bestatter

Smart-Bestatter

Als uns die zufällig vorbeikommenden Fußgänger endlich aus dem Graben geschoben und wir den stark lädierten Leichen-Daimler endlich in der schneegeschützten Garage abgestellt hatten, musste der eigentliche Grund unserer Nachtausschwärmerei erledigt werden.
Wir hatten einen Auftrag.
400 Kilometer Entfernung, eintausendfünfhundert Höhenmeter und fast sechs Stunden Fahrt lagen hinter uns, als das Navi endlich im Morgengrauen ausspuckte „In 300 Meter haben sie das Ziel erreicht, das Ziel liegt links.“ Links war zwar die Zufahrt zur Profi-Abfahrt, doch hier oben bringt man der eingefrorenen Technik ohnhin ein gesundes Misstrauen entgegen. Straight ahead lag das Ziel in voller Schönheit. Die Dorfkirche von Alt-Schmarendorf, mehr als eintausend Meter über Normal Null und der Turm ganz im Sinne Baron Münchhausens stolz aus der Schneedecke herausragend.
Hier sollte unser Kunde liegen. So die letzte Information aus der Einsatzzentrale. Na denn man tau.
Feliks, mein Kollege auf dem Sitz neben dem Lenkrad springt leichten Fußes aus unserem Smart-Bestatter, wie wir den Reservisten liebevoll bezeichnen, wenn der große Bruder in der Garage auf den Fahrzeug-Doktor wartet.
Feliks also rein in das Gotteshaus und die Lage eroieren.
60 Minuten später sind die Formalitäten abgeschlossen, alle Papiere unterzeichnet und wir auf dem Rückweg.
Wir holen sie auch vom Mount Everest“ – so unser neuer Werbeslogan.
Ich finde, das hat was.
Text und Foto/Montage: (c)casus.2013

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