Das Sterbewerk*_Episode #017 ‘Gottesdienst’

Schwere Klänge ergießen sich von der Empore in den Kirchraum. Die Orgel eröffnet den Gottesdienst am 12. Sonntag nach Trinitatis.

(c)wikimedia

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Ich sitze in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Miltitz im Markranstädter Land.
An diesem Morgen in aller Herrgottsfrühe haben sich immerhin zwei Dutzend Gemeindemitglieder zum sonntäglichen Gottesdienst eingefunden. Menschen aller Altersgruppen. Es ist eine Mär, dass nur ältere Mitbürger die Gottesdienste besuchen. In Miltitz sind heute die Altersgruppen von ca. 15 bis 90 Jahre vertreten.
Alle durchweg bibelfest. Die Gesänge und Gebete beherrschen sie frei. Das am Anfang verteilte Gebetsbuch liegt bei so manchem geschlossen auf der Ablage der hölzernen Sitzbänke.
Dabei beginnt Pfarrer Zemmrich, er begrüßt die Teilnehmer persönlich und per Handschlag und lädt auch mich freundlich zur Predigt ein, konsequent weltlich. Der Umbau und die Restaurierung des Kirchgebäudes, vornehmlich des Altars sollen bis 8. September zum Erntedankfest abgeschlossen sein. Da muss der Herr aber noch ganz schön auf die Handwerker einwirken, es ist reichlich Arbeit, denn noch sitzen wir vor einer Baustelle.
„Lobet den Herren, denn er ist sehr freundlich, es ist sehr köstlich, unsern Gott zu loben, sein Lob ist schön und lieblich anzuhören. Lobet den Herren!“
Nach so viel Lob beginnt die eigentliche Predigt Pfarrer Zemmrichs und diese schlägt wieder, obwohl in biblische Zitate und Sprüche eingebettet, den Bogen von aktueller Tagespolitik, von der anstehenden Bundestagswahl bis hin zu physikalischen und metaphysischen Aussichten unseres noch ca. 4 Milliarden Jahre bestehenden geophysikalischen Sonnensystems.
Die Sonne ist endlich, Gottes Schöpfung wird sie überleben, Gottes Liebe zu den Menschen ist ewig. So Pfarrer Zemmrich.
Und – Gottes Wille ist höher als die Vernunft.
In Ewigkeit. Amen.

Sonntage sind, in der Regel, arbeitsfrei.
Tageszeitungen erscheinen nicht.
Wer doch auf aktuelle Tagespolitik und ihre christliche Wertung nicht verzichten will, der besucht den Gottesdienst seiner Gemeinde.
Immer wieder sonntags.
In aller Herrgottsfrühe.
©casus. 2013