Kategorie: guten tag

Schnarchgedichte #006

Immer zieht es ihn dorthin, wo er grad nicht ist.
Immer will er grad das, was er nicht hat.
Der Mensch.

Nachts um drei sind die Lichter ausgegangen.
Nachts um vier ist der Horizont erloschen.
Kalter Wind fegt um die Ohren.
Jeder Grashalm ist erfroren.

Sehnsucht nach Licht
habe ich nicht.
Denn ohne den kleinsten Groschen
bin ich in endlosen Träumen gefangen.

(c)Casus. 2015.

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Schnarchgedichte #005

Sonnabend.
Heißer Grill und kalter Jameson.
Eine ganze Flasche. Zu zweit.
Spät, nein – früh ist es geworden.
Für ein Schnarchgedicht hat es danach nicht mehr gereicht.

Sonntag.
Sonnenaufgang. Viel zu zeitig.
Die Strafe: Schneegestöber, Graupelregen, Windeswinde.
Am Telefon unzufriedene Kunden, denen man am Abend und am Feiertag jeden Wunsch von den Lippen abliest.
Noch immer am Telefon ungerechte Kunden, die nicht zu ihrem Wort stehen.
Offene Rechnungen.
Kurze Nacht.

Montag.
Alltag.

 

©Casus. 2015

Schnarchgedichte #002

Über allen Wipfeln ist Ruh‘.
Dem Wind ist die Puste ausgegangen.
Es ist ganz easy, hier was Neues anzufangen.
Fehlen tust dazu
mir eigentlich nur du.

Ob Hase, Eichhorn oder Uh‘.
Sie sind im Wald wie zoogefangen.
Am Horizont gibt’s Stadt, nicht wirklich ein Verlangen.
Fehlen tust dazu
mir eigentlich nur du.

(c)casus. 2014

»Der (völlig un-)Politische Asche-Mittwoch« Folge 66 ‘2.500 Stadtkilometer – ein Resümee’

“Aus dem Leben eines Taugewas –
Die un.heimlichen Geschichten des Gordon Blö”

‚2.500 Stadtkilometer – ein Resümee‘

Die Saison geht langsam zu Ende. Rund zweieinhalb Tausend Fahrradkilometer liegen hinter mir. Arbeitsweg und ein paar Freizeitausflüge. Der Weg zum Büro schlägt dabei mit täglich 30 Kilometer zu Buche, 15 Hin, 15 Her. Außer wenn ich Oma Friedrich* unterm Arm habe, dann kommt der Smart-Bestatter zum Zuge. Und bei Regen aus Gießkannen.

Zeit wird es auch, mit ein paar hartnäckigen Vorurteilen aufzuräumen. Ich kann sie einfach nicht bestätigen.

LKW halten nicht genug Abstand beim Überholen; stimmt soo nicht. Gerade die LKW-Fahrer nehmen mehrheitlich demonstrativ Rücksicht. Fahren geduldig hinter mir her, wenn wir gemeinsam durch Baustellenabsperrungen, Fahrbahneinengungen und Holperbelag auf Leipzigs Straßen unterwegs sind. Ganz anders die vor allem kleineren PKW. Gefühlte 30 Zentimeter Abstand sind keine Seltenheit. Da darf man nicht wackeln oder einem Schlagloch ausweichen.

Fahrradfahrer sind ohne Licht unterwegs; stimmt soo auch nicht. Von ebenfalls gefühlt rund 200 Mit- und Entgegenkomm-Radlern haben höchstens 10 kein ausreichend Licht am Rad. Immer noch zu viel, aber auch an den Kraftfahrzeugen scheint nicht alles, was nach Lampe aussieht. Gerade jetzt in der Herbstzeit ein Unsicherheitsfaktor.

Lichtsignalanlagen steuern einen flüssigen Verkehrsfluss; stimmt – jedenfalls in Leipzig auf der Strecke Ost nach Grünau ganz und gar nicht. Gestern habe ich mitgezählt. Ich bin auf diesen 15 Kilometern in eine Richtung ca. ¾ der Strecke fernab von Autostraßen unterwegs. Nutze abgelegene Rad- und Waldwege, so durchs Leutzscher Holz und die Umgehung nach Grünau am Elster-Saale-Kanal entlang. Trotzdem müssen genau 18 mit Elektrik bestückte Kreuzungen passiert werden. Davon zwangen gestern aufgrund ihrer roten Signalfarbe 13 Ampeln zum Halt und Absteigen. Von den restlichen 5 sind 2 eher selten benutzte Fußgängerüberwege mit manueller Handbedienung, die ohnehin meist nur von sich einen Jux daraus machenden Kindern benutzt werden. Die Erwachsenen gehen einfach bei Rot. Oft genug.
Bleiben 3 grün-leuchtende und damit die Weiterfahrt garantierende Wegbereiter. Ein mieser Schnitt für den Zentralrechner.

Schwimmbadradweg

Schwimmbadradweg

Und – es ist eine Mär, dass Autofahrer mit ihren Fahrzeugen die Fußgänger einsauen. Nein, die Radfahrer spritzen den Pfützeninhalt an die Autos. Basta.
Nach der Saison ist vor der Saison. Es kann noch besser werden.
©casus. 2013
Foto: Ossietzkystraße am 13. November 2013 gegen halb 8. (Ihr könnt die Daten auslesen!)

Episode Sieben – ‚Kaputt in Caputh‘

Es ist Feiertag.
Die Lokalzeitung veröffentlicht das Ergebnis einer Umfrage unter Leipziger  Straßenpassanten, wie und ob diese den 3. Oktober als Tag der Deutschen Einheit feiern oder ignorieren.
Immerhin genießen fast alle den Tag als probates Mittel zum Abstandgewinnen von Alltagstrott und Kollegenschelte. So hat die Territoriumzusammenlegung vor fast zwei Dutzend Jahren doch ihr Gutes.

Wir haben den Tag ebenfalls genutzt.
Bereitschaft haben meine freundlichen Kollegen übernommen und mir damit einen Kurzausflug an den zuflusslosen, oder besser zuflussarmen, Schwielowsee ermöglicht. Ein herrliches Fleckchen Grün und Blau.
Zweckmäßigerweise hatten wir uns die Caputher Gegend als Ziel ausgesucht; wir wollten familiäre Bande pflegen. Was uns wegen perfekter Vorbereitung selbstverständlich auch hundertprozentig gelungen ist. Nicht jedes kleine Mädchen darf nach mir treten. Das hier schon 🙂

Am Caputher Ufer lässt es sich an diesem herrlichen Sonnenoktobertag dann auch aushalten. Nicht einmal die gefühlt hundert Jahre alte Autofähre stört. Jedenfalls nicht wirklich.
Da muss schon etwas ganz anderes passieren, um uns in dieser idyllischen Gegend aus der Ruhe zu bringen. Gesagt getan. Es geschieht!

Nicht nur die damalige „Vereinigung“ ist in mancher Hinsicht schief gelaufen, auch die Heimfahrt gestaltet sich schwierig. Kennt ihr noch die Mercedes-Werbung? Nein, nicht die, wo der Hamster in der Alufelge rotiert, sondern die, wo die im Abendkleid umsonst auf ihren anschaffenden Mann wartende Ehefrau diesem fürchtersam eine scheuert, bloß weil der unterwegs eine Panne hatte! „Mit dem Mercedes!“ – Klatsch. Ich hätte nicht der Wagen sein wollen…

„Hier ist die ADAC-Pannenhilfe. Am Apparat Frau Edelmann (Name von mir geändert). Womit kann ich dir helfen?“ – Stutzig? Umsonst. Sie hat wirklich „dir“ gesagt – und ich fand’s klasse. Wenn es nicht mit Absicht war, vielleicht um von Anfang an das Eis zu brechen, sollte der ADAC es einführen! Man kann sich hinterher ja korrigieren, wenn es nicht so gut ankommt. – Wir jedenfalls hatten von Beginn an den richtigen Draht zueinander gefunden und das Pannenfahrzeug war dann so schnell vor Ort, dass ich nicht einmal meinen zwischenzeitlich frisch gebrühten Kaffee ausgetrunken hatte. Super.
Die neue und von Herrn Bormann (Name auch geändert), dem am See diensthabenden Pannenhelfer, gleich vor Ort eingebaute Starterbatterie, brachte uns dann doch noch vor Mitternacht ins beschauliche Sachsenheimatstädtchen zurück und hoffentlich in den nächsten 5 Jahren auch noch ein paar mal an den Schwielowsee!
Immerhin wollen wir ja das demnächst das uns umgebende Licht selbst erblickende und dann hoffentlich nicht mehr nach uns tretende kleine Mädchen öfter besuchen.

Im Schauspielhaus in Leipzig, besser: im Centraltheater, gab es dann halb Acht noch einen Eisler-Abend. Mit dabei Hans-Eckhardt Wenzel, am Schlagwerk Stefan Dohanetz, Hannes Scheffler und Thommy Krawallo an den diversen Gitarren.
Leider habe ich das heute erst erfahren 😦
Chance verpasst!
Dafür empfehle ich – nun rechtzeitig – eine Eisler-Matinee in der Oper Leipzig. Überübermorgen in der Veranstaltungsreihe „Sonntags um 11“, auch wenn ich diese künftig leider nicht mehr live übertragen kann. Wie schrieb der neue Leiter für Öffentlichkeitsarbeit doch dazu „…wir (die Oper) können das personell nicht abdecken.“ Schade, die Stadt streicht die Mittel zur Kulturförderung und die Oper den Willen zur Kulturmultiplikation. Trotzdem, hingehen und genießen, die Reihe ist wirklich sehens- und anhörenswert. Der Spielplan unter Oper Leipzig.

Und wie habt ihr den Feierfreitag, der ein Mittwoch war, bewältigt? Lieber nett im Bett als kaputt in Caputh?
(c)casus. 2012
Handyfotos: casus