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Das Sterbewerk*_Episode #010 ‚Trübe Aussichten‘

“Aus dem Leben eines Taugewas –
Die un.heimlichen Geschichten des Gordon Blö”

‚Trübe Aussichten‘

Klaus* ist schwer vom Leben gezeichnet.
Das war nicht immer so. Bei der Mibrag hatte er große Bagger unterm Hintern, verdiente gutes Geld und gab es genauso gut für die Familie aus. Klaus hat ein weites Herz und eine liebe Seele. Er vermutet nichts Böses in der Welt um ihn herum.

Klaus ist 67 und nach einem Schlaganfall schwer behindert. Seine Frau starb vor 8 Jahren und sein Sohn hat einen Verkehrsunfall in Australien nicht überlebt.
Klaus lebt in einer kleinen 2-Raum-Wohnung in Grünau. Von 590 Euro Rente. Die Wohnung ist seine vierte. In den letzten 6 Jahren wurde er vom „Amt“ mehrfach in immer kleinere Wohnungen „umgesiedelt“. Nicht jedes Mal zu seinem Nachteil. Die jetzige „Platte“ ist trocken und warm. Die 209 Euro Miete muss er von der Rente bestreiten.
Bleiben 380 Euro. Damit liegt er über dem, was von Schreibtischtätern als Mindesteinkommen festgelegt wird. Unterstützung Fehlanzeige.

Wie gesagt, Klaus ist schwerbehindert. Er kann nicht mehr das Fahrrad benutzen, weil die Sehnerven seine Umgebung nur verzögert wahrnehmen. Die Reaktionszeit ist ausreichend für eine langsame Fortbewegung. Laufen geht nur mit Rollator. Das Gleichgewicht kann er sonst nicht halten.

Ich habe Klaus heute Vormittag wieder besucht.
Das Geld reicht vorn und hinten nicht, obwohl er an allem spart. Den in Reichweite liegenden Konsum meidet er wegen unbezahlbarer Preise. Um in den für ihn fast unerreichbaren Discountern einzukaufen, muss er einen ganzen Nachmittag einplanen, zwei Stunden Hinweg, Einkaufen und Aufwärmen, zwei Stunden zurück. 72 Euro Verwaltungsgebühr im Jahr für eine behindertenvergünstigte Straßenbahnfahrkarte bleiben nicht übrig.

Vor Jahren hat Klaus eine Vorsorge abgeschlossen. 3.300 Euro auf ein Treuhandkonto eingezahlt, damit das Leben wenigstens in Würde abgeschlossen werden kann.
Wir haben ihm davon schon mehrfach kleinere Beträge zurückerstattet. Soll er verhungern?
Alle Versuche, eine Pflegestufe oder 50 Euro staatliche Stütze zu erhalten, werden abgewiesen. Vielleicht fehlen zwei Minuten, weil er sich unter Schmerzen noch selbst Kämmen kann. In Wirklichkeit rutscht der Kamm eher über das Ohr. Die Hand kann er nicht besser koordinieren.

Heute hat er die Vorsorge gekündigt. Von dem Restbetrag gleicht er sein Minus aus und kann vielleicht mal wieder ein richtiges Schnitzel essen. Eine Dauerlösung ist nicht in Sicht.

Ich verabschiede mich und werfe noch einmal einen Blick in die Wohnung. Alles hat seinen Platz. Es ist ordentlich. Das einfache Bett, der nackte Holztisch und die beiden Stühle. Einziger „Luxus“ sind die Uraltschrankwand und das kleine Fernsehgerät. Ich hab es noch nie laufen sehen. Nein, nicht, weil es keine Füße hat. Der Strom ist zu teuer. Auf dem Boden liegt kein Teppich, blankes Linoleum.

Was macht Klaus, wenn der letzte Euro aus der Vorsorge aus besseren Zeiten verbraucht ist?
Das wird in vielleicht 5 oder in 6 Monaten sein. Vielleicht rettet er sich auch bis ins neue Jahr hinüber. Und dann?
Ich habe ihm in die Hand gelobt, dass er ganz in der Nähe von seinem Vati in Leipzig-Lindenau seine letzte Ruhe finden wird. Würdig. Nicht von Amts wegen verschachert. Das setze ich beim „Amt“ durch. Versprochen ist versprochen.

Wir verlassen die Wohnung in der ersten Etage, der Rolli steht im Treppenhaus parat.
Ich sehe ihm noch einmal nach auf seinen ersten 2-Stunden-Weg für heute. Er dreht sich nicht um.

Zurück in meinem Büro, kommen die Fünft- und Sechstklässler gerade aus der Schule. Einige von ihnen laufen direkt an meinen Schaufenstern vorbei. Sie rauchen, trinken Bier, Simsen mit ihren Smartphones und haben coole Sprüche in meine Richtung drauf. Jungs wie Mädchen, ohne Unterschied.

Schwer zu sagen, wer früher in Lindenau beigesetzt wird. Die Jugend hat gute Chancen.
©casus. 2013.
*Figur und Name sind nicht erfunden, aber geändert.

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»» Der Politische Asche-Mittwoch ««­ Folge 54 ‘Freiheit, die ich meine’

Das viel zitierte Freiheits- und Einheitsdenkmal, das Leipzig nach 25 Jahren friedlicher Revolution nun vorgesetzt bekommen wird, existiert gerade mal in den Köpfen einiger profilierungssüchtiger Politiker und einer Handvoll Personen, die im öffentlichen Leben zu Hause sind, dazu noch auf den elektronischen Spielzeugen von zuletzt drei Konstruktionsbüros, die mit bis zu 70.000 Euro für ihre Entwürfe entlohnt wurden.
Fragt man die Leipziger Bürger, und gerade erst hat die hiesige Lokaljournaille das getan, sprechen sich bis zu 94 Prozent der Befragten sowohl gegen ein Einheitsdenkmal in der geplanten Form als auch gegen die Umbenennung des dafür zu bebaueneden Wilhelm-Leuschner-Platzes aus.

Profilierungssucht 2.0
Dass gegen den Willen der Mehrheit der Bürger Leipzigs ein Rathaus-gewolltes Projekt durchgezogen wird, sind wir mittlerweile gewohnt und außer sporadischen Leserbriefen und personell unterbesetzten Demonstrationen auf den holprigen Straßen der Messestadt bleibt der Protest wohl auch am Stammtisch und im heimischen Wohnzimmer stecken. Aber dass eine sozialdemokratisch geführte Rathausspitze den Namen Wilhelm Leuschner aus dem Stadtbild verbannen will, erscheint da schon hinterfragenswert. Eine Alternative zum Platz am Innenstadtring ist nicht einmal am Horizont sichtbar, entgegen aller Beteuerungen von OBM Jung.

„Wilhelm Leuschner war seit 1913 SPD-Mitglied, führte ab 1928 das hessische Innenministerium und wurde, weil er NS-Dokumente über die geplante Machtergreifung veröffentlichen ließ, zu einem der meistgehassten Gegner der Nazis. Von Mai 1933 bis Juni 1934 war er inhaftiert. Später baute er ein Widerstandsnetzwerk auf, das auch mit der Gruppe um den langjährigen Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler zusammenarbeitete. Beide hätten hohe Regierungsämter übernehmen sollen, wenn der Umsturz vom 20. Juli 1944 geglückt wäre. Nach dessen Scheitern wurden sie hingerichtet.“ (ND, 21.10.2011 „Revolution gegen Widerständler“)

Nun also das Denkmal, das schon im Namen so verworren daherkommt.
Freiheit und Einheit vertragen sich wie Meinungsfreiheit und Fraktionszwang, wie Rot und Rosa, wie Mondschein in der Mittagssonne; nämlich gar nicht!
„Dieses Land ist es nicht“ sang Rio Reiser einst. Der Traum ist aus.
Diese Freiheit ist es nicht, die wir meinten. Und das an die Adresse von Herrn Quester, seines Zeichens grüner Stadtrat und Mitglied der Denkmal-auswählenden Jury. Denn ausgerechnet dieser waldfarbene Rathauspolitiker findet Argumente gegen den von den Leipzigern – wenn schon – favorisierten, aber von der Jury an den Katzentisch verwiesenen, drittplatzierten Entwurf des Leipziger Büros Anna Dilengite, Tina Bara und Alba d’Urbano, der den Wilhelm-Leuschner-Platz in einen rund 3.500 Quadratmeter großen Obstgarten verwandeln würde. Grüne Natur inmitten betonstrotzender Bauhäuser und glassteinverzierter U-Bahn-Schächte. Welch herrliche Vorstellung, dass tausende Leipziger zur Apfelernte von der Frucht der Versuchung naschen!

Keine dokumentierte Gegenrede findet sich von Roland Quester, als das Bildermuseum in der Innenstadt den historisch gewachsenen Sachsenplatz ersetzte und fortan der Blick auf die restaurierten Fassaden der Bürgerhäuser in der Katharinenstraße versperrt wurde.
Allen Ernstes fühlt sich grüne Politik von einer hügeligen Naturlandschaft belästigt und führt ins Feld, dass dann möglicherweise der Eingang zum City-Tunnel nicht zu finden ist! Für wie blöd werden die Leipziger und ihre Gäste hier verkauft? Streut doch einfach ein paar Brotkrumen, denen die Suchenden folgen können.
Wenn die Krumen dann von den Spatzen aufgepickt werden, kann man neue streuen. Ganz im Sinne des Siegerentwurfs, der lose Alu-Sessel zum Mitnehmen aufstellt.

Die wirkliche Freiheit des Einheitsdenkmals beruht auf der Freiheit der Gestaltung, der Freiheit der Konstruktionsbüros, der Freiheit der Auswahl durch Auserwählte.

Kaum anzunehmen, dass, welcher Entwurf auch umgesetzt wird, ein nach dem Weg zum Freiheitsdenkmal gefragter Ortsansässiger sagen wird: „Gleich da drüben, auf dem ehemaligen Wilhelm-Leuschner-Platz, das bunte Rechteck.“

Freiheit, die ich meinte…
(c)casus. 2012
Foto: googlemaps

Das ‚Capa-Haus‘ goes west: Listen to Ralph Bristol at WTN99.7

Das ‚Capa-Haus‘ hat ja in den letzten Wochen und Monaten für einige Furore in Leipzig gesorgt:
Erst wollte sich die Stadt der aufwändigen Denkmalpflege entledigen, erteilte eine Abrissgenehmigung, ließ den Gebäudekomplex versteigern.
Doch da sind einige Leipziger überhaupt nicht mit einverstanden. Und sie sind nicht allein; hiesige und internationale Medien berichten nahezu täglich, Journalisten haben sich auf Spurensuche begeben, Karoline Kleibert vom Mitteldeutschen Rundfunk hat eine aufwändig recherchierte und handwerklich geschickt gemachte Dokumentation ausgestrahlt (zurzeit noch in der Mediathek zum Nachsehen). Schließlich ist es auch nicht ausgeschlossen, dass Regisseur Steven Spielberg, der für seinen Film „Saving Private Ryan“ (Der Soldat James Ryan) Hunderte Capa-Fotos gesichtet hatte, uns im Bemühen um den Erhalt des Hauses unterstützt.


Hier, wo der „Last man to die“ („Der letzte Tote des Krieges“) – so die Bildunterschrift unter dem Foto von Robert Capa – seine Identität wiedergefunden hat, hier, wo das Verbrechen beim Namen genannt wird, wo die die vielen Tausend und Millionen Kriegstoten am historisch belegten und ganz konkreten Schicksal Gesicht zeigen – hier helfen abwertende Stammtischbemerkungen a la „Es gab viele Tote, das war nun mal so“ keinen Zentimeter weiter. Hier schlägt die Unmenschlichkeit jedes Krieges ins staunende Gesicht des verdutzten Betrachters.
Das ‚Capa-Haus‘ steht stellvertretend für eine Generation Zerstörung und es verschwinded für eine Generation Geschichtsklitterung.
Das muss verhindert werden!
Heute lief auf dem US-amerikanischen Rundfunksender WTN 99.7 ein Interview mit Lehman Riggs und Jon Overholt, die beide auf Einladung des mdr kürzlich in Leipzig weilten.
Lehman Riggs, der letzte Überlebende der 2. US-Infanteriedivision, die in den Tagen des 18. April 1945 Leipzig von der faschistischen Diktatur befreite. Sechs Wochen, bevor die Sowjetarmee einmarschierte.
Lehman Riggs musste zusehen, wie sein Kamerad Raymond J. Bowman auf dem Balkon des Hauses in der heutigen Jahnallee 61 starb.
Robert Capa, der mit mehr als 4.000 Kriegsfotos den 2. Weltkrieg vor dem Vergessen rettete, drückte auch hier geistesgegenwärtig auf den Auslöser. „Last man to die“ – die letzte Chance für den Erhalt eines der wohl letzten Zeugnisse des Weltkriegsgrauens.
Wer sich der Initiative zum Erhalt des „Capa-Hauses“ im Leipziger Stadteil Lindenau anschließen möchte, findet etwas weiter unten den link zur Offenen facebook-Gruppe.

Das Interview auf WTN 99.7 hier zum Nachhören:

Die Ankündigung: [podcast, 0:39min]

Das Interview: [podcast, 13:37min]

Link zum Thema:
Offene facebook-Gruppe

(c)casus. 2012
Grafik: web

Leipzig-Marathon „…weg von den bezahlten Profis“

Mit jedem anderen Motto würde der Leipzig Marathon wohl schon nach der halben Strecke schlapp machen.
Und so verwundert es nicht, wenn die Organisatoren um Stefan Friedrich und die Sponsoren, angeführt von Thomas Prauße vom namengebenden Hauptsponsor Stadtwerke unisono verkünden „weg von Antgrittsgeldern und bezahlten Profiläufern, hin zum Breitensport, hiesigen Spitzenläufern und drumherum ein Event für die Region, für die Leipziger und ihre Gäste.“

Am Sonntag ist es soweit.
Mit gut 8.000 Meldungen, davon ca. 800 im Hauptlauf, dem Stadtmarathon, der auf einer Schleife quer durch Leipzig 2x durchlaufen werden muss, sind die Spitzenmeldungen gesagt.
Doch der Leipziger Stadtwerke Marathon bietet mehr. Neben einem bunten Rahmenprogramm für jede Altersklasse, laufen auch Sportler aller Altersklassen über die verschiedenen Parkours. Von 2 bis 85, von jüngst bis sportlich gesehen älter, haben sich bereits Teilnehmer eingeschrieben.

Wer im Vorjahr den Enni-Lauf der Jüngsten erlebt hat, weiß was passiert, wenn fast 1.000 Kinder von 2 bis 7 Jahren über die Strecke wirbeln. Vervollständigt wird das Programm mit einem Inline- und einem Rollstuhl-/Handbike-Marathon, mit einem Schüler-Mannschafts-Marathon, dem 10 Kilometer-Lauf und natürlich dem Promi-Lauf über immerhin 4 Kilomteter.

Ich wollte von Thomas Prauße wissen, wer für diese Mörderstrecken von 4.000 Metern gemeldet hat und danach interessiert uns, ob der Vorjahrssieger Jakob Stiller wieder ähnliche Ambitionen verfolgt.
Beide jetzt hier auf der heutigen Pressekonferenz im Atlanta-Hotel in Wachau bei Leipzig.

Am Sonntag dann wird es ernst, das Wetter verspricht gute Zeiten, auch wenn Jakob eine Zeit um 2:13 nicht verspicht.
Spitzbub‘ …
(c)casus. 2012

[podcast, 8:42min]

Links zum Thema:
Homepage Leipzig Marathon http://www.leipzigmarathon.de
facebook Leipzig Marathon https://www.facebook.com/LEIPZIG.MARATHON

Logo: leipzigmarathon.de

»» Der Politische Asche-Mittwoch ««­ Folge 49 ‘Heute ist der 18. April’

Leipzig, im April 1945

Längst ist der Krieg entschieden, nur vereinzelt verstecken sich in letzter Hektik rekrutierte Kindersoldaten hinter den weißen Laken der Kapitulation.

So auch ein 15jähriges Leipziger Kinderkind, das noch nie den Rückschlag einer Panzerfaust zu spüren bekam, aber genau in dieser Minute am Felsenkeller einen amerikanischen Panzer attakiert. Nicht nur die US-Soldaten verbrennen, auch der kleine deutsche Rebell wird standrechtlich an Ort und Stelle exekutiert.
Andere, wie der damals 23jährige Wehrmachts-Unteroffizier Bruno C. (Name geändert), sind aus dem nahegelegenen Lazarett in die Innenstadt gelaufen, um die Amerikaner zu sehen, ungeachtet der Gefahr, jederzeit verhaftet oder durch einen Querschläger tödlich verwundet zu werden.
Noch ist der Krieg Alltag, die Gefahr keinen Gedanken wert.
In der Jahnallee 61, im zweiten Stock eines Wohnhauses am nahegelegenen Palmengarten schießt der Fotograf Robert Capa eines seiner wohl berühmtesten Fotos. Als ‚Der letzte Tote des Krieges‘ geht es später durch den internationalen Blätterwald. Im Life-Magazin vom 14. Mai 1945 wird es erstmalig, noch mit verpixelten Gesichtern, abgedruckt. Erst nach Gewissheit, dass die abgebildete Person verstorben ist, werden die Klarfotos freigegeben.
Leipzig hat kapituliert, im Rathaus begeht der Bürgermeister Gift-Selbstmord und zwingt seine Familie samt Frau, Tochter und zwei kleine Enkel mit in den gewaltsamen Freitod. Auch diese Fotos finden sich im erwähnten Life-Magazin.

Die Grausamkeit des Krieges hat an diesem Tag noch einen weiteren Namen in Leipzig: Abtnaundorf.
Hinter der dortigen Flugzeugfabrik haben die Deutschen eine Außenstelle des KZ Buchenwalds errichtet.
Mit dem Herannahen US-amerikanischer Bodentruppen beginnen ab dem 13. April 1945 hektische ‚Räumungsarbeiten‘. Die Häftlinge werden von SS, Gestapo und Volkssturmmännern auf den Todesmarsch geschickt. Alte, Kranke, Behinderte bleiben zurück. 300 von ihnen werden in eine Baracke gepfercht, das Gebäude wird angezündet, die Wachen gehen in Stellung und erschießen jeden, der als brennende Fackel das Inferno verlässt. Wer nicht von Gewehr- oder MG-Feuer getroffen wird, bleibt im stromführenden Stacheldraht hängen oder wird von Panzern überrollt. Mindestens 80 Menschen verlieren auf grausamste Weise ihr Leben.

Erst eine Woche später kann der amerikanische 1st Lt. William G. Frost dieses Verbrechen öffentlich machen. Auf Befehl seines Hauptquartiers Provisional Detachment ‚A‘ leitet er die Versorgung der Überlebenden und Bestattung der Getöteten.

Die Wunden der Tage um den 18. April 1945 sind auch heute, genau 67 Jahre später, noch nicht verheilt.
Doch einige Leipziger haben es den letzten lebenden Zeitzeugen diese Tage versprochen:
Wir werden die Zeit nicht vergessen!
Nicht das Andenken an die vielen Toten dieser unmenschlichen Zeit, nicht die Taten der Befreier, nicht die Orte der Geschehnisse.
Und wir werden Verantwortliche in der Stadt in die Pflicht nehmen, unserem Gedenken auch öffentlich Ausdruck zu verleihen.

Am 6. Mai erinnert die Initivgruppe „Gedenkmarsch“ an die schrecklichen Geschehnisse im KZ Abtnaundorf mit einem Erinnerungsmarsch (mehr Informationen dazu auf gedenkmarsch-leipzig.de) und die Initiative zur Rettung des ‚Capa-Hauses‘ verstärkt ihr Bemühen, neben dem Erhalt des längst zum Kriegsdenkmal avancierten Wohnhauses in der Jahnallee 61, die angrenzende Straße zum Palmengarten in ‚Raymond-J.-Bowman-Straße‘ umzubenennen.

Ein iPod zum Vergessen ist schnell gekauft; den Vorkämpfern unserer Freiheit zu gedenken kostet ungemein mehr Engagement. Doch ohne sie würden die Bilder der letzten Toten des Krieges nicht auf unseren elektronischen Spielzeugen ablaufen.

Leipzig, im April 2012

(c)casus. 2012

Der Journalist Helge-Heinz Heinker im Podiumsgespräch mit Lehman Riggs, US-Soldat im WWII und am 18. April 1945 in Leipzig (Ausschnitt)
[podcast, 8:42min]

Links zum Thema:
Initiative ‚Gedenkmarsch‘ http://www.gedenkmarsch-leipzig.de
Initiative ‚Capa-Haus‘ https://www.facebook.com/groups/capa.haus/
‚Hitlers letzte Opfer – Leipzig und das Kriegsende‘, ein Film von Karoline Kleinert, mdr-Fernsehen am 8. Mai 2012, 20:45 Uhr http://www.mdr.de/tv/programm/sendung117230.html

Foto/Montage: US-Dept./casus

Am Tropf der Riesen: Nachwuchsfußball in L.E.

Treibe Sport oder spiele Fußball!
Ja ja, der Ausspruch ist so alt wie das runde Leder, was seinerzeit gar nicht aus Leder war.
Heute ist es das und damals wie heute ist Fußball ein Mannschaftsspiel oder besser Teamwork.
Dazu gehören die 11 über den Platz hechelnden Spieler genauso wie der schwitzende Mann am Spielfeldrand (manchmal auch die eher nicht schwitzende Frau) und viele viele fleißige Helfer rund um den Verein, dazu gehören Eltern und Geschwister, Freunde und Bekannte, die oftmals logistische Meisterleistungen vollbringen.

Neu für den Einen oder Anderen ist jedoch, dass Fußball auch bezahlt werden muss, nicht erst in der letzten Liga von unten.
In Leipzig ist das nicht anders.

Seit Jahr und Tag organisiert der Fußballverband der Stadt Leipzig FVSL dieses Event für rund 4.000 Kinder in 265 Mannschaften, von den F-Junioren bis zur Altersklasse A.
Die Bemühungen, das Finale der Pokalrunde zu einem großen Fußball- und Familienfest mit Attraktionen für die Spieler und Gäste auszubauen, hat jetzt erste Früchte getragen. Die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft LVV wurde als Hauptsponsor verpflichtet und beteiligt sich mit einem mittleren vierstelligen Betrag an den Pokalfinals.

Wie das im Einzelnen aussieht, wurde auf der heutigen Pressekonferenz in Specks Hof den interessierten Medienvertretern mitgeteilt.

Die Finalspiele des jetzt LVV Cup genannten Stadtpokals finden am 30. Juni im Stadion des Friedens statt.
Das obligatorische Prominentenspiel mit Bauch-Vorwegtragen und Sahnepass wird auch nicht fehlen. Akteure aus Sport, Politik und Wirtschaft geben sich die Ehre.

Fußball in Leipzig – eine einst erfolgreiche, jetzt eine offene Geschichte mit ungewisser Zukunft.
Nur Fliegen ist schöner.
(c)casus. 2012

Die PK in Specks Hof vom 17. April (ohne Halbfinalauslosung):
[podcast, 21:43min]

Pressekontakt und link zum Thema:
Frank Viereckl, Tel. +49 341 355300-25, e-mail: frank.viereckl@lvv.de

Foto: casus