Getagged: Trauerfeier

Das Sterbewerk*_Episode #018 ‘Das doppelte Lottchen’

Das doppelte Lottchen oder bad‘ zwei in einer Wanne nicht.

Es gibt schooon Berufsgruppen, die jeden Tag vor neue Herausforderungen gestellt werden.
Der Postbeamte, der täglich ein neues Datum stempelt (ja ja, ist alt), die Hebamme, die nie weiß, ob sie ein weißes, ein gelbes oder ein schwarzes Handtuch bereitlegen sollte, der Kriegsminister, der am Morgen noch nicht weiß, ob die Raketen am Abend nicht doch nach Südosten ausgerichtet werden müssen oder auch der Bestattiger, der sich mal eben einen Trauerfeiertermin mit einem Kollegen teilen muss.
Dabei haben mir die Angehörigen der Trauergemeinde heute die tollsten Sachen erzählt und dazu bestimmt in der dunkelsten Ecke der Schublade gekramt. Alle waren versammelt, die Witwe, die Familie, die Freunde, der Pfarrer, der Friedhofsbedienstete, der Herrgott (fürs Wetter verantwortlich) und auch das Harmonium wurde bereits gestimmt. Wer fehlte war der Bestattiger. Muss irgendwo im süddeutschen Raum gewesen sein, ist hier undenkbar!
Am Telefon meldet sich die freundliche mailbox und auch sonst brettert lediglich der Planet auf die zunehmend ungeduldig werdenden Trauerfeier- und Beisetzungsbesucher. Mit dem fehlenden Bestatter war auch die Hauptperson der pikanten Angelegenheit nicht anwesend. Der Verstorbene. Und der ihn beherbergende Sarg.
Als dann doch die Limousine um die Ecke bog, der Sarg in der Trauerhalle platziert war, kam die große Stunde der Angehörigen. Jetzt glaubten Sie gar nichts mehr. Auch nicht, dass Papa Egon tatsächlich in der Holztruhe friedlich gebettet Platz genommen hatte.

FH Kleinzschocher, Kapelle

FH Kleinzschocher, Kapelle

Das die Story, mit der wir uns die Zeit vertrieben bis sich die kommunale Friedhofsverwaltung, die Friedhofsangestellte und der Friedhofsgärtner soweit einigten, unseren schriftlich bestätigten Trauerfeiertermin und die schriftlich bestätigte Urnenbeisetzung fast parallel zur Stillen Beisetzung des Kollegen zu organisieren und durchzuführen.
Das ist leichter gesagt als getan, denn Null Unterlagen auf dem Friedhof involvieren auch Null Grabstelle und Null Urnenaufnahme. Immerhin war schönes Wetter und ein Loch von Durchmesser 30 und Tiefe 80 ist unter diesen Umständen in 5 Minuten ausgehoben.

Pfarrer Holke behielt ebenso die Ruhe wie der vorgeführte Bestattiger.
Was auch anderes blieb uns übrig. Wir organisierten hinter den Kulissen.
Vier Minuten nach 14 Uhr und damit zwanzig Minuten später als geplant gab es für unseren Reisenden kein Zurück mehr, das Grab war geschlossen und die Trauerfamilie zog von dannen Richtung Naddel. Mittagessen. A la carte. Frisch vom Herd.

Es hätte auch unangenehmer ausgehen können.
Es kann immer unangenehmer ausgehen.
Hat es aber nicht. Weil zwei Leute und eine Familie die Ruhe bewahrt haben. Im festen Glauben an den, der uns heute eine besonders schwere Prüfung auferlegte. Er hatte wohl nicht mit der Kraft der Hinterbliebenen gerechnet. Oder gerade?

Und so wurden heute Mittag auf Leipzigs Kommunalem zwei Lottchen gleichzeitig beigesetzt.
Darauf einen Doppelten.
©casus. 2013

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Das Sterbewerk*_Episode #014 ‘TrauerHerbeiReden’

Zugegeben, der Titel provoziert – und trifft nicht zu.
Natürlich kann man Trauer herbeireden. Sollte man aber nicht. Jedenfalls nicht in unserem Sinne.

Frontcover

Frontcover

Birgit Aurelia Janetzky hat einen Leitfaden für Traueransprachen geschrieben. Titel: TrauerReden.
Ein 112-seitiges Paperback für Trauerrednerinnen, Trauerredner, Trauerbegleiterinnen, Trauerbegleiter, Bestatterinnen, Bestatter, Betroffene, NichtBetroffene, also Menschen wie du und wir.

Schon nach den ersten Sätzen merkt man Frau Janetzky an, sie ist vom „Fach“, sie weiß wovon sie schreibt und wenn man ihr dies zu Gute hält, kommt auch der Rest glaubwürdig herüber. Und tatsächlich, die Seiten sind in der Frühstückspause verschlungen. Um sie zu verstehen, braucht es vielleicht noch einen zweiten gemütlichen Lesegang. Doch spätestens dann merkt der Betroffene (ich lass jetzt mal das vermaledeite „die Betroffene“ weg und beschränke mich auf das neutrale „er“), dass hier zwar eine Berufsgruppe von professionellen Trauerrednern angesprochen ist, gleichzeitig jedoch das linke Auge den restlichen 99 Prozent früher oder später Betroffenen zugewandt wird.
Will sagen, das Buch ist wie eine Steuererklärung, irgendwann hat jeder damit zu tun.

Wem also der Knigge zu dick, zu hoch angebunden ist, der bedient sich bei Birgit Aurelia Janetzky und ihrem diese Woche erschienen Leitfaden für gutes Benehmen und richtiges AnSprechen – nicht nur im Fall der Fälle. Die Lebensweisheiten sind allgemeingültig, auch wenn sie hier im speziellen Kontext der Trauerrede verpackt sind.

Mein Fazit: Nicht nur das Frontcover ist gelungen 🙂
Danke Frau Janetzky für diese animierenden 100 Seiten.
Danke Frauke fürs „Model-Stehen“.
Danke dem Verlag für das Belegexemplar.

Ihr habt Interesse an Buch und Inhalt?
Das Buch gibt’s zu kaufen -> HIER zum Beispiel.
Die Thematik greife ich in einer Sonnabend-Veranstaltung nächstes Jahr im Rahmen der KULTur im LeipzIGER OSTEN auf. Termin kommt rechtzeitig.
©casus. 2013